Câmpia Transilvaniei

(Siebenbürgische Heide)

von Dan Nedelea

Als ich erfuhr, wie die Region heißt, in der ich mich befand, dachte ich, es handele sich um einen Irrtum!

Ich habe danach nicht nur in einem Reiseführer nachgeschlagen (in den sich Fehler einschleichen können) oder im Internet recherchiert (das Fehler übernimmt, stimmt`s?), sondern ein Universitätshandbuch der physischen Geografie Rumäniens und auch eine Karte mit der Oberflächengestalt konsultiert und musste mir eingestehen, dass das Gebiet so heißt: Siebenbürgische Heide.

Sie liegt in der Mitte Siebenbürgens, wie eine kreisförmige Fläche, eingeschlossen von den Hauptflüssen Mureș, Someșul Mic und Someșul Mare. Die Siebenbürgische Heide wird durch die Fernstraße von Târgu Mureș nach Cluj-Napoca durchquert. Von diesem Weg, von einem Pass zwischen Câmpenița und Săbed auf einer Höhe von 500 m, hat man dieses Panorama der Heide. Vielleicht nennt sie sich so als Kontrast zum Apuseni-Gebirge, dessen Gipfelkette man am Horizont erkennt.

Die Bezeichnung Siebenbürger Heide soll von der Art herrühren, in der die Menschen die Erde zwischen und an den weichen Hügeln bewirtschaftet haben, so dass Anpflanzungen und Äcker angelegt wurden. Und inzwischen sind hier Orte entstanden, deren Namen die Weite des Landes hervorheben: Negrenii de Câmpie, Zăul de Câmpie, Sânpetru de Câmpie…("de Câmpie" bedeutet "der Heide").

Der See, gebildet auf dem Bach der Heide, in der Nähe von Tăureni. Die Spiegelungen im Wasser zählen zu den attraktivsten Zielen der Region.

Die längste Seenkette befindet sich im Tal Valea Fizeșului und erstreckt sich über zirka 20 km. Das ausgeprägte Interesse der Touristen freut die an den Ufern gelegenen Pensionen und Herbergen.

Tăul Zăului, ein See, von dem man hier nur einen kleinen Teil sieht, ist eine der ausgedehntesten Wasserflächen mit einer Oberfläche von 130 ha. Er befindet sich auf mittlerer Höhe der Heide in 300 m.

Ein typisches Bild dieser Region: der Übergang von einem Tal in ein anderes, von einem See zum nächsten. Die Landstraße führt über einen Pass, und der Blick kann über die Gipfel schweifen. Hier befinden wir uns am Eingang zu einem Dorf und die Gastfreundschaft der Menschen ist spürbar: jeder Pfosten am Straßenrand ist mit Blumen geschmückt.
Das Dorf Sic/Szek, es hat sich in hunderten von Jahren entwickelt, insbesondere wegen der lokalen Salzminen, hier wohnen Menschen unterschiedlicher Ethnien und unterschiedlichen Glaubens, was auch aus den Kirchentürmen ersichtlich wird.
Die reformierte Kirche von Sic, ihr Bau begann 1241, sie wurde erweitert, verstärkt, zerstört, wieder aufgebaut und mehrfach renoviert und wurde sogar ein Bischofssitz.
Die orthodoxe Holzkirche im Dorf Sic, erbaut 1707. Bemerkenswert ist die außergewöhnliche Dicke der Wandbalken. Ab der Oberkante des Fensters bis zur Steindecke sind es nur drei Balken!
Die orthodoxe Kirche in Săcălaia. Erinnern wir uns daran, dass wir uns in der Heide befinden…!
In Săcălaia befindet sich der See der Hechte, Lacul Știucilor, ein Naturreservat. Es soll der tiefste Süßwassersee mit natürlichem Wasser in Rumänien mit einer Tiefe von zirka 12 m sein. Die Wasseroberfläche erstreckt sich auf 25 ha, und der ihn umgebende Schilfgürtel umfasst 120 ha! Man sagt, es sei der einzige Binnensee Rumäniens, auf dem Schilfgrasinseln schwimmen, wie im Donaudelta.
Und vom Donaudelta ist es nur ein Schritt bis zum Siebenbürgischen Delta, wie es heute genannt wird. Und hier finden wir eines der Argumente für diesen Namen, das Schilf oberhalb des Lacul Știucilor.
Die Schilflandschaft von Sic, die bereits zum Naturreservat erklärt wurde. Es wurde ein Aussichtssteg errichtet, der einen Kilometer lang ist, neben dem drei Hochstände errichtet wurden, als Unterstand und zur Beobachtung.
Die Schilflandschaft von Sic ist die Quelle für das Wasser, mit dem zum Horizont hin die Seen von Sântejude entstanden sind, die von weiteren Schilfketten eingefasst sind.
In unmittelbarer Nähe der Seen ändert sich die Landschaft, die Erde wird dürr und anstelle von Schilf und Mais finden wir nun versalzte Böden.
Und das Salz aus dem Untergrund kann auch an die Oberfläche gelangen.
Der Brunnen auf dem Bild ist mit Salzwasser gefüllt, das direkt zum Einsäuern von Gemüse verwendet werden kann.
So hohes Schilf! Es gibt den Vorschlag, diesen Naturraum zu einem geschützten Gebiet mit dem Namen Siebenbürgisches Delta zu erklären, das alle derartigen Bereiche der Region umfassen soll. Auch aus ornithologischer Sicht ein bemerkenswertes Argument!
Lasst uns andere interessante Ziele der Siebenbürgischen Heide betrachten. Das Schloss Banffy in Bonțida hat seinen Ursprung um 1670. Nachdem es zu einer Ruine geworden war, wurde es jetzt wieder aufgebaut, um es in ein kulturelles Zentrum zu verwandeln. In den letzten Jahren ist es durch das Festival für elektronische Musik bekannt geworden, das in seinem Garten 4 Tage lang stattfand und durch welches das Schloss den Namen “Electric Castle” erhielt.
Das orthodoxe Kloster Nicula, dokumentiert aus dem Jahre 1552, ist im ganzen Land berühmt als der größte Wallfahrtsort Rumäniens, der der Mutter Gottes gewidmet wurde und am 15. August begangen wird. Obwohl die vielen Kabel an der Straße zu sehen sind, hebt dieses Bild doch die Stellung vieler Gebäude des Klosters hervor, die an einem ausgeprägten Hang oberhalb des Dorfes Nicula liegen.
Monumentales Ensemble von Tăușeni. Was ihr hier seht, ist ein Teil des Schaffens eines einzelnen Künstlers, Alexandru Chira (1947 – 2011), er ist Maler und Bildhauer, Kunstlehrer und –kritiker, ein Seher, geboren an den Hängen dieses Berges. Er hat am Hang oberhalb seines Geburtshauses 15 solcher Gestaltungen platziert, von denen jede eine Geschichte und einen Symbolcharakter hat. Sein Bruder Stefan wohnt noch in dem Haus, in dem beide geboren wurden, und hat hier ein Museum mit den Gemälden von Alexandru eingerichtet und sich darum gekümmert, dass die Errichtung des Ensembles vollendet wurde.

Alles, was hier beschrieben wurde und noch viele andere Sehenswürdigkeiten, die es verdienen entdeckt zu werden, lassen sich unter dem kuriosen Namen zusammenfassen: Siebenbürgische Heide!

Gute Reise!