Auf einem Hochplateau

von Dan Nedelea

An einem Herbsttag wollten wir einen Ausflug machen. Es sollte ein Rundweg auf einen Berg werden, denn der Wetterbericht hatte gutes Wetter vorausgesagt. Doch statt schöner Weitsicht erwartete uns am Morgen leider Nebel. Aber wir ließen uns nicht entmutigen und hofften, dass es oben auf dem Berg anders aussehen würde.
Zuerst gingen wir durch dicken und kalten Nebel und wir sahen nur blattlose Vegetation am Wegesrand. Trotzdem hatten Reif und Nebel jedes Detail geschmückt. Wassertröpfchen hatten die Spinnengewebe und verdorrten Blumen in wunderschöne Kreationen verwandelt, die wir zu anderen Wetterbedingungen nicht hätten bewundern können.
Wir suchten einen Weg nach oben aber wir fanden keinen. So bahnten wir uns einen Weg durch Gestrüpp und hohes Gras. Allmählich öffnete sich im Nebel ein Lichttor.
Endlich fanden wir einen Weg, der den Sonnenstrahlen folgte.
Und dann verschwand der Nebel!
Wir strebten den Bergspitzen gleich, uns aus dem Schwaden in den Tälern heraus. Überraschend war, auf diesem Berghang Obstbäume anzutreffen.
Der Weg wurde nun breit und klar, aber man konnte auch sehen, dass dieser Weg sehr lange nicht mehr begangen wurde.
Ein ehemaliger Friedhof, Obstplantagen und die Wege sagten uns, dass es hier einmal eine bewohnte Siedlung gab.
Dieses schöne Panorama vor dem Friedhof mit den Bergen am Horizont hatten wir bei unserem ersten Ausflug nicht. Da sahen wir nur Wolken und Nebel! Aber wir kehrten zurück an diesen Ort, den wir damals durch das Lichttor betreten hatten, um seine Geheimnisse näher zu erforschen.
Ein alter Brunnen, von einem Steinkreuz bewacht, markiert den Eingang zu dem ehemaligen Dorf.
Das Laub der großen Walnussbäume verdeckt im Sommer die verlassenen Häuser.
Durch die alten Fenster kann man die ehemalige Dorfstraße sehen.
Im Gestrüpp neben dem Haus ist ein Hühner- und Schweinestall, stummer Zeuge einstigen Wohlstands. Bei unserem späteren Besuch war er verschwunden. Sicher war er an einer anderen Stelle noch nützlich.
In der Mitte des verlassenen Bergdorfes zwischen blühenden Bäumen...
…und zwischen den goldenen Farben des Herbstes.
Eine Scheune, sie wurde bis vor kurzem noch benutzt.
Wir haben das Dorf von mehreren Seiten des Bergkammes erkundet. Man braucht etwa anderthalb Stunden von den Dörfern am Fuße des Berges bis hinauf auf das Hochplateau. Unser Weg führte dieses Mal an einem großen Obstgarten vorbei, der von fleißigen Bewohnern zeugte, welche früher diesen Stück Land bewirtschaftet haben. Doch jetzt kümmert sich niemand mehr darum. Trotz alledem grünt und blüht alles!
Die einst gepflegten Obstbäume wetteifern mit den wildblühenden Bäumen auf den Hängen.
Dieses Haus befindet sich an der höchsten Stelle der verlassenen Siedlung. Im Sockel des Hauses, unter dem Fenster, befindet sich eine schmale, vertikale Öffnung.
Die Öffnung gehört zum Stall, welcher sich unter dem Haus befand und wurde so gebaut, dass man von innen mit einem Gewehr schießen konnte. An so einem einsamen Ort muss man sich auch verteidigen können.
Von hier oben, nahe dem Gipfel sieht man die Ausläufer der Berge, die langsam in sanfte Hügel und Täler übergehen.
Auf dem ehemaligen Dorfplatz grasen noch Schafe und Ziegen. Aber wie hieß das Dorf, wo befand es sich? Es spielt keine Rolle mehr. Wir haben es zufällig gefunden. Bald wird es völlig verschwunden sein.
Doch der schöne Blick zu den Bergen wird immer bleiben, noch eine Weile gerahmt von den blühenden Bäumen des Dorfes!