Von Cabana Valea SAMBETEI zum höchsten Berg Rumäniens

von Stefan Kossatz

Ich möchte mit diesem Bericht den zumindest geographischen Höhepunkt des diesjährigen Adventskalenders liefern. Aus diesem Grund habe ich mich für den höchsten Berg Rumäniens entschieden.
Die romantische Berghütte Cabana Valea Sambetei befindet sich im gleichnamigen, nach Norden auslaufenden, Tal des Fagaras-Gebirges in einer Seehöhe von 1400 Metern. Ausgehend von Complexul Turistic Sambata de Sus erreicht man sie nach etwa 2 1/2 Stunden Gehzeit auf dem roten Dreieck wandernd. Da die Hütte bewirtschaftet ist, bekommt man dort auch Verpflegung und Getränke. Perfekt genug um von hier aus einen Ausflug zum Moldoveanu, den mit 2455 Metern höchsten Berg Rumäniens zu planen. Auf dem Bild sieht man die Sambata -Hütte und den Hauptkamm des Fagaras-Gebirge mit dem großen Fenster (Fereastra Mare).
Die Zimmer sind als Zwei- bis Mehrbettzimmer ausgelegt. Duschen gibt es keine (wäre auf rumänischen Hütten auch ein Wunder). Das Dachgeschoss wirkt etwas beengt. Die Schlafräume hier sind eher mit Kojen zu vergleichen.
Im Juni sind die Tage am längsten. Es wird daher erst ab 21:00 Uhr dunkel. So kann man bequem eine längere Tour durchführen um noch bei Tageslicht wieder zurück zu sein. Zum Moldoveanu soll man nach Aussagen der Leute etwa sechs Stunden laufen. Also starteten wir morgens um 7:30 Uhr mit dem Anstieg zum großen Fenster (Fereastra Mare). Man sagte uns, dass wir diesen Weg nehmen sollten, da im Anstieg zum kleinen Fenster (Fereastra Mica) in einem steilen Abschnitt noch ein Schneefeld hängen soll.
So ging es bei allerschönstem Wanderwetter los. Um 9 Uhr haben wir dann das große Fenster erreicht. Auf einem der Gipfel sahen wir auch eine Gemse. Aber auch unser Tagesziel zeigte sich nach dem ersten Unterwegsgipfel bereits in der Ferne.
Auf dem Weg zeigten sich immer mehr Schneefelder. Ich dachte mir zunächst, dass es uns Schwierigkeiten bereiten könnte, unser Ziel zu erreichen. Aber von Karpatenwilli und auch aus eigener Erfahrung weiß ich, Schneefelder, die am Abtauen sind, kann man begehen, indem man Stufen hineintritt. Jedoch noch zugeschneite Kletterabschnitte sollte man meiden!
Das Durchstapfen der Schneefelder gab unserer Frühsommerwanderung eine alpine und zugleich winterliche Note. Auf der Karte sind einige Bergseen eingezeichnet. Die waren aber alle noch unterm Schnee verdeckt.
Bei der Schutzhütte Vistea Mare beginnt der Anstieg zum Moldoveanu-Komplex, der durch eine Scharte sich in die beiden Teilgipfel Vistea Mare und Moldoveanu aufteilt. Hier kommen Wanderer von Valea Rea herrauf. Der Bergsattel nennt sich auch Poarta Vistei.
Nun wird es felsiger. Man muss auch Schneefelder umgehen, da sie in den steileren Passagen hängen. Nach etwa 30 Minuten sind wir auf dem Vorgipfel des Moldoveanu, dem Vistea Mare.
Der Kammweg über das Fagaras-Gebirge erreicht auf dem Vistea Mare mit 2135 Metern seinen höchsten Punkt. Im Westen beginnt das rote Band in Turnu Rosu und endet in Plaiul Foii bei der gleichnamigen Cabana. Aus Richtung Cabana Podragu kommen einige Wanderer hoch. Diese Route gilt als Standard-Anstieg von Nordwesten. Christian Neff berichtete im Rumänien Adventskalender 2016 über diesen Aufstieg. Von hier geht es auf dem roten Punkt direkt zum Hauptgipfel des Moldoveanu auf 2544 Metern Seehöhe. Die Scharte, welche die beiden Teilgipfel trennt, wird durchstiegen. Kurze Zeit später stehen wir auf dem höchsten Berg Rumäniens und tragen uns ins Gipfelbuch ein. Wir haben dafür 6 1/2 Stunden mit Pausen gebraucht.
Inzwischen hat sich die Bewölkung verdichtet und hüllt die Gipfel zeitweise in Nebel. Aber man sieht ganz deutlich die Rolle des Karpatenhauptkamms als Wettergrenze.
Nun steht der Rückweg zur Cabana an. Teilweise sind wir in dichte Wolken gehüllt, die aber nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Bei den aufziehenden Wolken wird es spürbar kühler, um später umso mehr spürt man dann die wärmende Junisonne. Also von windig und kühl schlagartig auf sommerlich warm. Bis nach Valea Sambetei benötigen wir sechs Stunden.
Um 20 Uhr also nach 12 1/2 Stunden endet unsere Bergtour wieder an der Cabana Valea Sambetei. Nun kann der zweite Höhepunkt kommen und zwar URSUS und TIMI, auf die wir uns schon auf dem Rückweg freuten.
Wir haben Glück mit dem Wetter gehabt, denn am nächsten Tag, als wir den Rückweg nach Sambata de Sus antraten, kam Regen auf, der uns den Besuch einer Höhle vermieste und wir klatschnass wurden. Aber das störte uns nicht mehr. Es wartete ja eine warme Dusche und schmackhaftes Essen auf uns.