Hermannstadt mit "Laib und Seele"

von Dagmar Dusil

gemalte Kerzen
Hermannstadt liegt in der Mitte Siebenbürgens, Hermannstadt – eine Stadt, mit einem atemberaubenden Altstadtkern, Geschichte auf Schritt und Tritt, Türmen und Kirchen, Straßen und Wegen, Parks und Durchgängen. Eine Stadt mit Flair und viel „Geschmack“.
gemalter Schlitten mit Geschenkpaket drauf
Altes Foto der Stadtansicht von Hermannstadt mit dem Fagaraschgebirge im Hintergrund
gemalter Weihnachtsschmuck
Springbrunnen auf dem Markt von Sibiu deutsche Kirche von der Sonne beleuchtet
Durchgang drch ein altes Stadthaus Torborgen mit Trreppe zur Unterstadt
Hermannstadt, die Stadt der Augen, die alles sehen.
gemalte Augen gemalte Augen
Ziegeldach mit Dachfenstern
Hermannstadt, europäische Kulturhauptstadt 2007. Eine Veranstaltung jagt die andere. Hermannstadt im Fokus der Aufmerksamkeit. Renovierungen und Modernisierungen. Der Große Ring bekommt ein neues Antlitz, trägt nun einen elegant-grauen steinernen Schottenrock.
gemalte Augen gemalte Augen
Großer Ring von Hermannstadt mit Rahtaus und Kirche
Nach 12 Jahren, im Jahr 2019 teilt sich Hermannstadt mit der griechischen Südägäis den Titel Gastronomische Region Europas und Hermannstadt wird zur kulinarischen Hauptstadt Europas gekürt. Hermannstadt wird zu einer Stadt mit „Laib und Seele“ und das im wahrsten Sinne des Wortes.
gemalte Kerzen mit Weinglas
Foto mit 3 Broten
Thomas Mann hat einst den Markusplatz in Venedig als das größte Wohnzimmer Europas bezeichnet. In Hermannstadt kann der große Ring gemeinsam mit der Heltauergasse (Str. Nicolae Bălcescu) als eines der größten Kaffeehäuser Europas beschrieben werden.
gemalte Tasse gemalte Kanne gemalte Tasse
Die zahlreichen Touristen befinden sich plötzlich „in einer Stadt mit deutschen Wurzeln, rumänischen Bewohnern, ungarischem Temperament, italienischer Stimmung“, so lautet die Beschreibung in meinem Buch „Hermannstädter Miniaturen“. Und diese Mischung spürt man auf Schritt und Tritt.
Foto von Häußeransicht und Kirche im Hintergrund Foto einer alten Gasse mit Torbögen
Zu Beginn der Heltauergasse befindet sich der „Römische Kaiser“ (împăratul Romanilor), für viele Jahre das erste Haus am Platz, ein Hotel mit Restaurantbetrieb. Der römisch-deutsche Kaiser Joseph II., der Sohn Maria-Theresias hat hier genächtigt bei seinen Besuchen in Siebenbürgen 1773, 1783 und 1786. Der Römische Kaiser gehört zu Hermannstadt. Im Laufe der Jahre haben unzählige gekrönte Häupter dort übernachtet und gespeist.
gemalte Dreikönige
Foto der Gaststätte Römischer Kaiser mit noblen Ambiente und Kronleuchtern an der Decke
Rund um den Kleinen Ring gibt es eine Vielzahl an Lokalen. Schwerpunktmäßig wird hier Pizza und italienisches Essen angeboten. Die Lokale bieten neben dem Essen die wunderbare Atmosphäre einer mittelalterlichen Altstadt und verzaubern die Besucher durch den Flair dieser Stadt. Alles findet unter den Augen der Dächer statt, denen wissbegierig nichts entgeht. Die Türme der Katholischen Dreifaltigkeitskirche sowie die Spitze der Evangelischen Stadtpfarrkirche scheinen in einem Dialog zu stehen. Die Lügenbrücke oder die Liegenbrücke, da streiten sich die Geister, welche der Benennungen die Richtige ist, befindet sich nicht weit vom Ort des Geschehens. Die Laubengänge des Schatzkästchens laden zu einem Spaziergang ein.
gemalter Wanderschuh gemalte Sonne gemalter Wanderschuh
Foto von einer überdachten Terasse auf dem kleinen Ring
Der Weg durch die Heltauergasse, vorbei am Römischen Kaiser führt zum Hotel Forum Continental, das früher Boulevard hieß. Auf der rechten Seite, am Ende der Straße, die von zahlreichen Terassen gesäumt ist, befindet sich ein Lokal, das „Frieda“ heißt. Da gibt es die berühmten kleinen Fleischwürstchen – nicht zu verwechseln mit den Cevapcici – die Mititei oder einfach Mici heißen, das heißt die „Kleinen“. Sie werden mit Senf und Brot oder auch Pommes frites gegessen und schmecken in der „Frieda“ besonders gut.
gemalter Weihnachtsschmuck gemalter Weihnachtsschmuck gemalter Weihnachtsschmuck
Menschen sitzen vor dem Restaurant Casa Frieda und essen
Foto 5 gebratenen Mici und Senf auf einem Pappteller
In manchen Lokalen der verträumten Seitenstraßen findet der Besucher nicht nur die Seele der Stadt, sondern auch den „Laib“. Den Laib frischen Hausbrotes. Locker, leicht, duftend nach Geborgenheit und nach Zuhause schmeckend. Der „Laib Brot“ ist Willkommensgruß für den Fremden, Begrüßung und herzliche Aufnahme, kulinarische Umarmung, Trost und Freude. Der „Laib Brot“, der an Kindheit erinnert, an Heimat, an innere und äußere Heimat.
gemaltes Brot gemalter Brotkorb gemaltes Brot
In einem Vorort von Hermannstadt, in Neppendorf, das inzwischen eingemeindet ist und zu Hermannstadt gehört, findet man in den Sommermonaten eine gewesene Bewohnerin dieser Stadt. Sie züchtet wie ihre Vorfahren Blumen, die sie am Zibinsmarkt der Stadt zum Verkauf anbietet. Doch sie bäckt auch Brot, Hausbrot und Hanklich.
gemaltes Kraut gemaltes Brot gemaltes Kraut
Eine Frau rollt Teig aus Blumenverkäuferin  auf dem Markt vor ihrem Blumenwagen
Nahaufnahme von 5 Broten, welche mit einem Stock von ihrer Kruste befreit werden
Im Sibiul Vechi, in der Alexandru Papiu-Ilarian Straße Nr. 3 gibt es die besten Sarmale (Krautwickel). Das Personal (durchwegs Männer) trägt echte rumänische Trachten. Bei rumänischer Volksmusik wird freundlich, prompt und professionell bedient. Eine Suppe aus weißen Bohnen gehört ebenso zu den speziellen Rezepten des Hauses wie „Bulz“, der aus Maismehl gemacht und mit Schafkäse (Burduf) gefüllt wird. Spezialität des Hauses ist „Des Hirten Brotsack“ (Traista ciobanului). „Das beinhaltet alles, was das Feld hergibt oder was vom Feld stammt. Geräucherte Wurst, Käse, Tomaten, geräuchertes Fleisch, eingehüllt in Fleisch. Gebackener Maisbrei und eine Käsesauce“ (Zitat aus meinem Buch „ So is(s)t Hermannstadt“).
gemalter Krautkopf mit Weihnachtsmütze gemaltet Teller mit Essen gemalter Krautkopf mit Weihnachtsmütze
Nahaufnahme eines Tellers mit einem gegrillten Stück Fleisch Außenwerbungsschild mit der Aufschrift Crama Sibiul Vechi und dem gemalten Stadtturm
Eines der schönsten Lokale in Hermannstadt ist das „Hermania“ in der Str. Filarmonicii 2. Es ist ein geschichtsträchtiges Lokal im Hermannstadt von Heute. Das Gebäude datiert aus dem Jahr 1878 und beherbergte zu Beginn musikalische Veranstaltungen. Hier probte der Männergesangverein, der den Namen Hermania führte. Als im Jahre 1949 die Hermannstädter Philharmonie gegründet wurde, war das Hermania Heimstätte für Proben und Lehrkonzerte.
gemaltes Ohr welches Musik hört gemaltes Akordeon gemalter Notenschlüssel
historisches Foto des Restaurant Hermania von außen
Die Ausstattung des Lokals erinnert an seine ursprüngliche Bestimmung. Die hohen zur Straße führenden Fenster schmücken eine eingravierte Lira, an den Wänden hängen Instrumente und das Bild des siebenbürgischen Wunderkindes Carl Filtsch. Heute wird in diesen Räumen eine andere Kultur gepflegt – die Esskultur. Auf dieses Lokal, auf das Hermania, trifft der Titel „mit Laib und Seele“ voll und ganz zu. Denn hier wird das in der eigenen Bäckerei in Albota gebackene Hausbrot serviert. Das Feuer knistert im Kamin, die Seele beginnt zu schwingen. Hier soll das Siebenbürgisch-Sächsische Element bewahrt werden und für die nächsten Generationen erhalten bleiben.
gemalte Weizenähre gemalter Backofen gemalte Weizenähre
Innenaufnahme des Restaurant Hermania mit rustikalen Tischen im Vordergrund und Dekoration im Hintergrund
Fenster mit eingravierter Lira Kamin im Restaurant Hermania mit Feuer, bemalten blauen Keramikfliesen und einer Wanduhr sowie Bildern und Musikinstrumenten an den Wänden
Im gartenähnlichen Hof nebenan lassen die Wappen der einstigen sieben Stühle die Siebenbürgisch-Sächsische Geschichte lebendig werden. Das bekommt der Besucher mit dem Geschmack des Essens auch auf der Zunge zu spüren. Hier werden alte Rezepte neu interpretiert und Siebenbürgische Speisen werden nachempfunden. Alle Erzeugnisse sind frisch, denn hier lautet die Devise „De la ferma la farfurie“, was übersetzt heißt „Von der Farm auf den Teller“.
gemalter Apfel gemalter Kürbis gemaltes Glas mit eingelegtem Gemüse gemalter Krautkopf
Außenbereich des Restaurant mit Gartenbänken und Stühlen und einem an die Wand gemalten rustikalen Fenster in der Bildmitte Nahaufnahme eines Tellers mit Essen
Es lohnt sich den Heidelbeer-Likör zu probieren: umschmeichelnd, süß und verführerisch. Vorspeisen begeistern die ausländischen Gäste: der typische Aufstrich aus gegrilltem Gemüse findet kaum seinesgleichen, Vinetesalat (Aufstrich aus gegrillten Auberginen) oder ein bestimmtes Bratenfett mit Kümmel und Äpfeln verfeinert bieten ein einmaliges Geschmackserlebnis. Die bemalten Fenster an den Wänden werfen den Gast in eine ferne Zauberwelt des Dorfes und man vermutet, dass sich jeden Augenblick das Fenster öffnet und eine Person zum Betrachter wird.
gemalte Weinflasche gemalte Sonne gemalter Wasserkrug
Holzpaltte auf dem Tisch stehend mit verschiedenen Käse-, Wurst- und Fleischsorten garniert, dazu Zwiebeln, Tomaten, eine helln und eine rote Soße
Es ist kein Wunder, dass das Hermania in den Gastronomie-Reiseführer Gault&Millau Rumänien 2019 aufgenommen wurde.
gemaltes Bonbon gemaltes Bonbon gemaltes Bonbon
Link zum Buch "So is(s)t Hermannstadt" und "Hermannstädter Miniaturen"
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